Whitley Neill Rhubarb and Ginger

Im heutigen Review stelle ich dir einen ganz besonderen Vertreter der aromatisierten Wacholderzunft vor. Vorweg sei eines verraten: Der Rhubarb and Ginger Gin von Whitley Neill polarisiert. Nichts desto trotz hatte ich Spaß mit dem kleinen Teufel in der lila Flasche aus England.

Meinen ersten Kontakt mit dem Whitley Neill Rhubarb and Ginger hatte ich übrigens auf einem Flug von München nach London Heathrow.

Nach einem viel zu stressigen Tag im Büro fuhr ich in aller Hast zum Flughafen, war noch kurz in die Lounge einer renommierten britischen Fluggesellschaft auf einen Snack und einen Gin&Tonic und keine halbe Stunde später saß ich schon im Flieger nach London. Irgendwie Routine. Aber diesmal war alles anders. Es gab ein neues Menü und auch diese kleine farbenfrohe Flasche in der Getränkeauswahl. Schnell waren zwei der Miniaturen und zusätzlich die verfügbare Tonic-Auswahl an Board bestellt. In London hatte ich schon ein Taxi geordert, also nichts wie ran ans Gin-Tasting über den Wolken.
Kennt ihr den Tomatensaft-Effekt? Nirgends auf der Welt wird so viel Tomatensaft getrunken wie über den Wolken. Zahlreiche Studien belegen, dass das Geschmacksempfinden im Flugzeug in großer Höhe anders ist, als am Boden. Auch exzessiver Alkoholgenuss ist im Flugzeug nicht empfehlenswert. So ist wohl ein Gin-Tasting im Flugzeug wenig ratsam, aber was tut man nicht alles. Pur fand ich den Gin etwas zu süß. Im Nachgeschmack war er ein bisschen künstlich, aber mit Tonic fand ich ihn eigentlich ok. Die Stewardess versorgte mich noch mit Eiswürfeln und ein paar Chips und schon befanden wir uns im Landeanflug eines gepflegten Rausches. Nein, zum Glück befanden wir uns nur im Landeanflug auf London Heathrow. Mein Resümee zum Gin: Er war ok, aber eine ganze Flasche muss ich mir davon nicht in die Bar stellen.

Ziemlich genau ein Jahr später erhielt ich, wie auch einige andere Gin-Fans aus Deutschland, über Instagram eine Anfrage vom „burau jrgmyr“ den Whitley Neill Gin zu verkosten und der Gin-Community einmal vorzustellen. Ich bin für solche Anfragen prinzipiell empfänglich und wollte dem Gin eine zweite Chance geben. Vielleicht hatte bei mir im Flugzeug ja wirklich der Tomatensaft-Effekt zugeschlagen? Und ehrlich, die Flasche ist schon ein Hingucker oder?

Jörg Meyer selbst ist Cocktail-Pionier aus Hamburg, Entreliquor und zudem mehr als Medienerfahren. Neben der Erstellung des Barkonzepts für die Boilerman Bar in den 25hours Hotels ist er auch für sein Trink-Journal mit denEmpfehlungen eines Trinkersbekannt. Er berichtet dort online über seine Trinkabenteuer, seine flüssigen Reise und seine Cocktail Safaris. Sehr lesenswert!

Whitley Neill Gin – die Basis

Der klassische Whitley Neill Gin mit der schwarzen Flasche, dem roten Baum und der goldenen Schrift ist bestimmt jedem schon einmal über den Weg gelaufen. Der Brennmeister Johnny Neill, Spross einer englischen Brennerfamilie in der 8. Generation vereint in seinem Gin zwei Welten miteinander. Klassische Botanicals wie Koriander, Angelika, Kassiarinde, Zitronen- und Orangenschalen vereint er mit Zutaten aus Südafrika. Dazu zählen zum einen die Physalis und zum anderen die Baobab-Frucht vom sogenannten Affenbrotbaum.

Seinen Gin destilliert er klassisch in einer 100 Jahre alten Kupferbrennblase in der Nähe von Birmingham.

Aus diesem klassischen London Dry Gin leitet Johnny verschiedene „Flavored Gins“ ab. Dazu gehören unter anderem ein Blutorangen Gin, ein Quitten Gin und sogar ein Aloe und Gurken Gin. Die Liste lässt sich noch erweitern. Die Produktpalette ist lang, bunt und für jeden Geschmack etwas dabei.

Von Jörg habe ich übrigens erfahren, dass allein in den letzten 12 Monaten fast 2,4 Millionen 0,7l Flaschen vom Rhubarb and Ginger Gin verkauft wurden. Die Zahlen sprechen für sich, also schau ich mir den Gin jetzt noch einmal genauer an.

Botanicals

Die Basis vom Rhubarb and Ginger Gin ist wie oben schon erwähnt der klassische London Dry Gin. Diesem wird ein Rhabarbergeist und ein Ingwer-Mazerat hinzugefügt. An Zutaten finde ich also neben den klassischen Gewürzen wie

auch noch

Abschließend wird der Gin noch mit Zucker und Zitronensäure versehen. Genaugenommen müsste hier also von einem Gin-Likör gesprochen werden, aber mit 43% vol. Alkoholgehalt hat er ordentlich bums und liegt also irgendwo zwischen Gin und Likör.

Flaschendesign

Die auffallend lilafarbene Flasche ist definitiv ein Hingucker. Das zentrale Element auf der Flasche ist der in weißen Buchstaben gedruckte Markenname Whitley Neill, handcrafted Gin! Eine stilisierte Rhabarberpflanze rundet den Auftritt ab. Im unteren Bereich ist eine weiße Banderole um die Flasche geklebt. Auf dieser finde ich neben der Geschmacksrichtung „Rhubarb & Ginger“ die Pflichtangaben zur Füllmenge und dem Alkoholgehalt.

Die Flasche ist zudem mit dem Marken Namen Whitley Neill im Bereich des Flaschenhalses geprägt. Auch am unteren Ende der Flasche befindet sind eine Prägung, die auf die langjährige Familientradition seit 1762 hinweist.

Verschlossen ist die Flasche mit einem Holzgriffkorken mit Natureinsatz.

Und genau diesen öffne ich jetzt mit einem quietschenden Plopp.

In der Nase

Schon beim Öffnen des Korkens entweicht der Flasche ein künstliches Bouquet, welches mich irgendwie an aufgelöste Gummibärchen in Wacholderbrause erinnert. Da war es wieder, das künstliche Rhabarber Aroma, dass ich schon damals im Flugzeug in der Nase hatte. Ich gieße mir einen Schluck in mein Tasting-Glas und nehme erneut einen tiefen Atemzug. Wacholder spielt hier definitiv nur eine sehr untergeordnete Rolle, ist aber in seinen Grundzügen mit den herb harzigen Aromen dennoch vorhanden.

Dazu gesellen sich tatsächlich unterschwellig klassische Nuancen von Koriander und Angelikawurzel. Ergänzt wird die Komposition von einem Hauch Orange.

Das Destillat selbst ist klar und farblos. Beim Schwenken bilden sich Schlieren am Glasrand.

Ich gebe dem aromatisierten Gin eine zweite Chance und probiere ihn mit einem zaghaften Schluck.

Am Gaumen

Süß verteilt sich der Gin auf der Zunge und das leider sehr künstlich schmeckende Rhabarberaroma verteilt sich im Mundraum. Es erinnert etwas an reife Erdbeeren mit Schlagsahne, was durch die cremig, süße Textur des Destillats noch verstärkt wird. Erstaunlich ist aber der Ingwer, der mit einer angenehmen, wärmenden Schärfe gut hervorkommt.

Daneben sind die würzigen Aromen der klassischen Botanicals erstaunlich prägnant. Wacholder und Koriander sind tatsächlich auszumachen, auch das Aroma von reifen Orangen ist präsent.

Der Abgang wird begleitet von einer angenehmen Schärfe vom Ingwer und einem erstaunlich fruchtigen Aroma.

Der Nachhall ist langanhaltend, wirkt aber leider sehr künstlich im Geschmack. Rhabarber kann ich hier nur mit viel Phantasie ausmachen.

Perfekt serviert

Auch mein Zweitkontakt mit diesem Gin aus dem Hause Whitley Neill bringt mich ins Grübeln. Pur ist er definitiv nicht mein Fall. Auch mit einem Tonic-Water kann er mich nicht überzeugen. Hier habe ich mich auf die Klassiker von Fever Tree verlassen. Aber sowohl das Indian, als auch das Mediterranean Tonic Water konnte hier nicht überzeugen.

Auch mit einem Ginger Ale oder einem Ginger Beer komme ich nicht weiter.

Gin Fizz

Was mache ich nun mit dem Kameraden. Es muss doch einen passablen Drink mit dem Whitley Neill Rhubarb and Ginger Gin geben. Wer mich kennt, weiß wie sehr ich einen guten Gin-Fizz liebe. Also probiere ich es mal damit. Ich verwende die klassische Rezeptur mit

  • 5cl Gin
  • 4cl Zitronensaft
  • und 2cl Zuckersirup.

Letzteren lasse ich weg, da der Gin ja selbst schon gesüßt ist. Und siehe da, gar nicht mal so schlecht, allerdings kommt dieser künstliche Geschmack noch zu sehr zum Tragen.

ginvasion Rhubarb & Ginger Fizz

Das geht noch besser. Inspiriert von der Flasche kommt jetzt auch beim Fizz etwas Farbe ins Spiel. Zudem muss auch der Ingwer noch etwas verstärkt werden.

  • 5cl Gin
  • 4cl Zitronensaft
  • 2cl Ginger-Sirup
  • 2cl Grenadine

Alle Zutaten werden im Shaker mit Eiswürfeln ordentlich geschüttelt und anschließend im Longdrinkglas mit Eiswürfeln und Sodawasser angerichtet.

Das Ergebnis ist optisch schon mal sehr ansprechend, aber auch hier kommt der künstliche Beigeschmack immer noch durch. Das gibt es doch nicht.

Ich halte mich jetzt an die Empfehlung von Jörg, ein ungewöhnlicher Gin braucht wahrscheinlich ungewöhnliche Getränkerezepte. Die intensive Note vom Rhubarb and Ginger Gin benötigen weitere intensive Aromen von anderen Kräutern und Gewürzen. Zitronensaft an sich steht dem Gin schon mal gut. Aber es braucht wohl noch mehr.

Le Gurk

Also greife ich zur Geheimwaffe von Axel Klubescheidt, dem Markenbotschafter von Monkey 47. Von ihm stammt der „Le Gurk“.

Hierfür gibst du

  • 1/8 Gurke
  • 2cl Zitronensaft
  • 1cl Zuckersirup (habe ich weggelassen)

in den Shaker und muddelst alles ordentlich durch. Dann gibst du noch

  • 2cl Holunderblütenlikör
  • 4-8cl naturtrüber Apfelsaft
  • und Eis

in den Shaker. Alle Zutaten dann zirka 20 Sekunden shaken und anschließend in ein mit Eis gefülltes Longdrinkglas „double-strainen“. Natürlich muss der Le Gurk mit einer Gurkenscheibe garniert werden.

Und tatsächlich. Der von den Aromen sehr intensive Whitley Neill Gin funktioniert in dieser Cocktailvariante und kann mich überzeugen. Die Kombination aus Zitrone, Gurke und Apfelsaft harmoniert mit Rhabarber und Ingwer.

Fazit

Diese lila Flasche bereitete mir schlaflose Nächte. Und nicht nur das. Auch im ginvasion-Team entbrannten heftige Diskussionen. Von ersten Anrufen und Nachfragen wie: „Sag mal, ist meine Flasche eventuell schlecht? Ach deine schmeckt auch so seltsam!“ und „Was machen wir jetzt aus dem süß, klebrigen Zeug“ bis hin zum „Es muss doch einen Drink geben, der mit dem Gin funktioniert, wir sind doch keine Amateure“ reichten unsere Konversationen.

Wir haben herzhaft gelacht und uns erstaunlich lange mit diesem kleinen Teufel auseinandergesetzt.

Die Essenz von Rhabarber verleiht dem Gin eine herbe, knackige Note, die ich leider sehr künstlich finde. Der Ingwerextrakt hingegen kommt gut zur Geltung und sorgt für einen vollmundigen, wärmenden Abgang.

Der Gin polarisiert, einige lieben ihn, andere hassen ihn. Ich finde ihn im „Le Gurk“ wirklich gut, pur oder im Tonic geht er gar nicht!

Aber auch hier gilt, probiere ihn selbst. 2,4 Millionen verkaufte Flaschen sprechen für sich!

 

Deinen Whitley Neill Rhubarb&Ginger findest du übrigens hier bei unserem Partner Wacholderexpress.de

 

 

Hinweis:

Ich bin seit Inkrafttreten des Telemediengesetz §6 übrigens dazu verpflichtet, diesen Beitrag als Werbung zu kennzeichnen. Den genannten Gin aus dem Test habe ich als PR Produkt Sample vom Hersteller kostenlos zum Testen erhalten. Etwaige Bewertungen werden aber von der kostenlosen Bereitstellung nicht beeinflusst und erfolgen mitunter nach eigenem Ermessen. Die Einnahmen aus Affiliate-Links benutze ich übrigens für diesen Blog. Diese ermöglichen mir ferner die Testberichte und Fotos.

Whitley Neill Rhubarb and Ginger

7

Gesamteindruck

7.0/10

Eigenschaften

  • dezente Wacholdernuancen
  • künstliche Rhabarber Aromen
  • süß

Alkoholgehalt

  • 43,0%

Veröffentlicht von Basti

Mein Name ist Sebastian und ich bin schon seit einigen Jahren dem Gin verfallen. Begonnen hat die Leidenschaft auf einer Dienstreise 2012 in einer Flughafenlounge in London. Angefangen habe ich mit Bombay Sapphire und Tanqueray und einfachem Tonic. Schnell wurde mir aber klar, dass die Standardgins nicht das Ende der Fahnenstange sind. Der Feel-Gin aus München hat hier die Sammelleidenschaft begründet.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.