Hoolgaascht Dry Gin

„Nur wer brennt, kann andere anfeuern“, ist das Motto von Marco Hage, dem Gin-Gründer und „Geistschaffenden“ des „Hoolgaascht Schwäbisch Hall Dry Gin“. Ob sein Destillat auch in mir ein Feuer entfacht hat, erzähle ich dir heute in diesem Review.

2001 hat sich Hage erstmalig den hochprozentigen Genüssen gewidmet. Aus Früchten der Obstbäume auf dem Anwesen der Villa Waldhof in Oberschwaben entstand nach ordentlicher Reifung und Destillation der erste Mirabellenbrand. Im Jahre 2008 hat sich Marco Hage in Schwäbisch Hall niedergelassen und dort seine neue Wahlheimat gefunden.

Schon als Student trank er gerne Gin Tonic und so entstand aus einer Idee dann im Jahr 2016 der erste Gin in der Villa Waldhof. Dem ersten Batch gingen jedoch zuerst eine ausgiebige Recherche in Blogs, Foren und Büchern voraus. Ziel sollte sein einen in sich stimmigen Gesamtgeschmack zu erzeugen und nicht, so viel wie möglich an Ingredienzien zu verwenden. Daher beschränkte sich Hager auf eine überschaubare Anzahl an Zutaten. Die Botanicals sollten mit den Hauptbestandteilen des Gins – Wacholder und Koriander – stimmig in Verbindung gebracht werden.

Nun ging es daran, eine Marke zu entwickeln. Etwas mit Lokalkolorit sollte es sein, mit Bezug zur Heimat, Hohenlohe & Schwäbisch Hall. Nach diversen Recherchen in den Haller Geschichtsbüchern, sowie Gesprächen mit „Alt-Hallern“, abschließender Abwägung aller Vor- und Nachteile in Bezug auf Bekanntheitsgrad, Symbolik, Namensgebung, Vermarktungsmöglichkeiten etc. ist die Wahl letztendlich auf den „Hoolgaascht“ gefallen.

Wer noch mehr über die Entstehung der Marke, Lizenzfragen, sowie gesetzlichen Kennzeichnungsvorschriften erfahren möchte, dem lege ich die Homepage http://hoolgaascht-gin.de ans Herz, die sehr ausführlich und umfangreich und dazu mit großer Hingabe gestaltet ist.

Der „Hoolgaascht“

Der Haalgeist gilt als „Hüter der Salzquelle“ und ist ein noch heute populärer Bestandteil der Haller Tradition. Im „Haal“ befand sich die Salzquelle von Schwäbisch Hall, die Grundlage von Reichtum und Wohlstand der vormaligen Reichsstadt. Gesotten haben das Salz in mühsamer Arbeit die Haller Salzsieder. Der Haalgeist – im Haller Dialekt „Hoolgaascht“ genannt – ist ein „guter Geist“ und Warner vor Pest, Feuer und Hochwasser. Unzählige Geschichten und Anekdoten ranken sich um den Haalgeist, dem vor allem die Sieder immer wieder „persönlich“ begegnet sind.

Denn so hilfsbereit er auch ist, wenn es darum geht, die Haller vor Schaden zu bewahren der Haalgeist hat auch einen ausgeprägten Sinn für manchmal recht derbe Scherze. Vor allem, wenn er gereizt wird. Gepaart mit seinen übersinnlichen Kräften sorgt er damit immer wieder für Unruhe in der Stadt. So warf er einen Sieder, der ihm frech kam, kurzerhand vom Haalplatz über den Kocher hinüber. Junge Frauen, die sich (verbotenerweise) nachts noch in den Gassen herumtrieben, hat er des Öfteren tüchtig erschreckt. Beschrieben wird der Haalgeist als eine Mischung aus zottigem Tier und Kobold und erscheint so den Besucherinnen und Besuchern des Kuchen- und Brunnenfestes am Pfingstsamstag abends auf dem Marktplatz beim historischen Programm.

Botanicals

Doch jetzt zum eigentlichen Gin. Für den Hoolgaascht Dry Gin werden unter anderem folgende Botanicals verwendet:

Flaschendesign

„Etikett und Flaschenform sind das Aushängeschild des Inhalts“ so Marco Hage. Diese sollen ansprechend sein und neugierig machen. Die zentrale Botschaft soll lauten:

Das ist der Hoolgaascht Gin – Punkt.

Daher prangt auf dem schlichten, weißem Etikett in einem puristischen Ansatz die Hoolgaascht-Figur. Diese wurde von einer alten Postkarte mit der Hoolgaascht-Lithographie freigestellt und mit einer peppigen Türkisfarbe ausgefüllt sowie die Lampe mit einer knallgelben Farbe illuminiert. Über dem Haalgeist ist in Schattenlettern der Name Hoolgaascht geschrieben.

Wohl einzigartig auf dem weißen Etikett ist die „Werbefläche“ am rechten Rand: hier werden alle Mitwirkende des Gins in Logoform aufgeführt – als Widmung für ihre Zuarbeit und Unterstützung beim Herstellen des Gins. Weiterhin sind hier die Flaschennummer und Batchnummer in händischer Eintragung zu finden, sowie der Alkoholgehalt von satten 47%.

Am linken Rand gibt es Informationen zur Historie des Hoolgaascht, natürlich in englischer Sprache – der Sprache von Gin. Abgefüllt ist der Hoolgaascht in einer durchsichtigen Apothekerflasche mit einem Füllvolumen von 500 ml.

In der Nase

Ich öffne den Kunstkorken der Flasche und nehmen einen tiefen Atemzug direkt aus der Flasche, bevor ich mir eine Probe in mein Nosingglas einschenke. Der Gin riecht wie zu erwarten recht kräftig. Die 47 % sind sofort präsent. Nach dem ersten Atemzug denke ich zuerst an einen Obstler. Dann lass ich dem Gin Platz im Nosingglas und rieche nochmal. Nun ist der Wacholdergeruch leicht wahrzunehmen, begleitet von Zitrusaromen. Der Gin riecht immer noch kräftig.

Am Gaumen

Auch im Geschmack bleibt der Hoolgaascht ein kräftiger Vertreter seiner Zunft. Es dominiert der Wacholder und die würzige Note des Korianders und der Kräuter. Im Abgang machen sich definitiv noch mal die Zitrusaromen bemerkbar, am Gaumen haften bleiben jedoch die Kräuter und eine leichte Schärfe.

Perfekt serviert

Durch den kräftigen und würzigen Geschmack braucht der Hoolgaascht definitiv einen kräftigen Begleiter, der nicht im Geschmack des Gins völlig unter geht. Ich habe zum einen das Fentimans 19:05 Herbal Tonic Water probiert und diese Kombination gefällt mir persönlich gut. Die Kräuter des Tonic Water harmonieren hervorragend mit der würzigen Note des Hoolgaascht. Das Fentimans hat auch genug Stärke, um dem dominanten Gin schmeicheln zu können, so dass diese Kombination einen intensiven und komplexen Gin & Tonic ergibt.

Fazit

Dreimal hat Marco Hage die Rezeptur seines Hoolgaascht Schwäbisch Hall Dry Gin geändert. Er nutzt zur Herstellung des Hoolgaascht sowohl die Herstellungsmethode der Mazeration, als auch die der Dampfinfusion. All das ergibt einen sehr präsenten und starken Dry Gin.

Freunde von Floralen oder fruchtigen Gins werden hier nicht bedient. Wer einen Gin will, der geradeaus ist und auch mit Fillern aller Art nicht an Dominanz verliert, der wird hier fündig. Gerade Genießer von kräftigen Destillaten werden ihre helle Freude an diesem edlen Destillat haben.

 

 

Hinweis:

Ich bin seit Inkrafttreten des Telemediengesetz §6 übrigens dazu verpflichtet, diesen Beitrag als Werbung zu kennzeichnen. Den genannten Gin aus dem Test habe ich als PR Produkt Sample vom Hersteller kostenlos zum Testen erhalten. Etwaige Bewertungen werden aber von der kostenlosen Bereitstellung nicht beeinflusst und erfolgen mitunter nach eigenem Ermessen. Die Einnahmen aus Affiliate-Links benutze ich übrigens für diesen Blog. Diese ermöglichen mir ferner die Testberichte und Fotos!

Hoolgaascht Dry Gin

8.2

Gesamteindruck

8.2/10

Eigenschaften

  • Wacholderbetont
  • würziger Koriander
  • feine Kräuternoten

Alkoholgehalt

  • 47,0 %

Veröffentlicht von Bernd

Bernd Huntemann, geboren 1974 in Bremen, verheiratet, zwei Kinder, Wohnhaft in Hermannsburg, mitten in der Lüneburger Heide und durch Zufall über einen Freund zum Gin gekommen. Mit dem ersten Gin-Coktail (Gin Basil Smash) nach dem Grillen mit dem Gin-Fieber infiziert. Nach dem ersten eigenen Gin (Mombasa Club Gin) vollständig dem leckersten aller Destillate verfallen und danach weitere Freunde für Gin begeistert.

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